Interview: Die Search Solution Fredhopper aus Anwendersicht

Peter Cabelström (Portalis Deutschland AG), Experte für Produktsuchmaschinen, berichtet im Interview über die Gründe, warum die Portalis AG Fredhopper als Produktsuche auf dem Portal moebel.de einsetzt. Teil fünf unserer Blogserie "Produktsuchen für Online-Shops im Vergleich".

Peter Cabelström (Portalis Deutschland AG)
Peter Cabelström

In unserer Blogserie "Produktsuchen für Online-Shops im Vergleich" evaluieren wir die Stärken und Schwächen verschiedener Suchlösungen. Hierfür stehen wir vorwiegend im Kontakt mit den Suchanbietern selbst. Heute möchten wir unsere Perspektive um die Anwendersicht ergänzen: Wie fällt die Beurteilung für Fredhopper in der Praxis aus? Peter Cabelström von der Portalis Deutschland AG (Portalis Group) hat die Fragen von Michael Wolf beantwortet.

Die in Hamburg beheimatete Portalis Deutschland AG betreibt Shopping- und Lifestyle-Portale, darunter moebel.de als vertikale Produktsuchmaschine. Vertikale Produktsuchen bieten dem Nutzer Einkaufsmöglichkeiten in einem nur thematisch, nicht aber auf einzelne Shops begrenzten Sortiment.

Michael Wolf: Hi Peter, stell dich doch kurz mal vor. Wer bist du und was machst du?

Peter Cabelström: Ich bin Unit Director Content & Product Management bei der Portalis Deutschland AG. In dieser Funktion verantworte ich die Funktionen, Produkte und Inhalte auf unseren Portalen www.moebel.de und www.mysport.de. Zuvor war ich im Produktmanagement für otto.de tätig und habe dort die Such- und Navigationsfunktionalitäten des Online-Shops konzeptionell weiterentwickelt.

Wolf: Seit letztem Jahr setzt ihr in eurem Portal moebel.de die Produktsuche Fredhopper ein. Warum habt ihr euch für eine kommerzielle Suchfunktion entschieden?

Cabelström: In der Suchsoftware von darauf spezialisierten Anbietern steckt in der Regel deutlich mehr Entwicklungsarbeit als in einem Open Source-Produkt. Diese Anbieter haben jahrelange Erfahrung u.a. aus den Feedbacks ihrer Kunden und diese in das Produkt einfließen lassen. Daher sind diese Produkte in fast allen Fällen einer Eigenentwicklung oder einem Open Source-Produkt qualitativ überlegen. Der Kern-Nutzen unserer Portale liegt in dem einfachen und schnellen Finden von für den User relevanten Produkten. Daher kommt für uns nur eine qualitativ hochwertige Suchfunktion in Frage. Allerdings holen manche Open Source-Produkte langsam auf, was die reine Suchfunktion betrifft, so dass sich die Anbieter immer mehr über Zusatzfunktionalitäten differenzieren müssen.

Wolf: Wie habt ihr das vorher gelöst? Habt ihr die Suche eures Shopsystems genutzt oder eine Eigenentwicklung?

Cabelström: Zuvor haben wir die Suchfunktion von Exorbyte genutzt.

Wolf: Und warum seid ihr zu Fredhopper gewechselt? Welche Vorteile bietet diese Software gegenüber Exorbyte und anderen Anbietern wie bspw. Endeca oder Factfinder?

Cabelström: Die Entscheidung für Fredhopper und gegen andere Anbieter ist im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Abwägung gefallen. Endeca beispielsweise kann seinen hohen Preis nur bei einer sehr tiefen Einbindung rechtfertigen, die so aber nicht zu unserem Konzept gepasst hätte. Gegenüber Factfinder bietet Fredhopper noch mehr Möglichkeiten der Optimierung von Suchergebnissen und unterscheidet sich zudem durch die umfangreichen Targeting-Möglichkeiten.
Exorbyte besticht vor allem durch eine hochperformante und fehlertolerante Search Suggest-Funktion, ist aber als Suchsoftware funktional recht eingeschränkt. Eine tiefergehende Optimierung der Sucheinstellungen konnte immer nur mit Unterstützung des Exorbyte-Supports gemacht werden und war auch nur bedingt möglich. Daher entsprach die Qualität der Suchergebnisse oft nicht unseren Vorstellungen. Für kleinere Online-Shops ist Exorbyte jedoch aufgrund des Preismodells ggf. eine lohnende Alternative.
Fredhopper kenne ich zudem aus meiner Zeit bei OTTO sehr gut und weiß um die vielen Vorteile, die dieses Produkt bietet. Wenn man sich für Fredhopper entscheidet, sollte man aber schon bereit sein, ein bisschen Zeit in die Nutzung dieser Möglichkeiten zu stecken. Das waren und sind wir. Ansonsten könnte beispielsweise Factfinder die bessere Lösung sein.

Wolf: Welchen Erfolg bzw. welche Erfolge konntet ihr mit der Einführung von Fredhopper verzeichnen?

Cabelström: Das ist schwer zu beurteilen, da mit der Einführung von Fredhopper nicht nur die Suche sondern das gesamte Portal einem Relaunch unterzogen wurde. Da ist fast keine Vergleichbarkeit mit der Suche auf dem alten Portal gegeben. Bei otto.de hatten wir damals allerdings einen recht starken Anstieg der Conversion Rate gesehen und auch auf moebel.de stimmen die Werte positiv.

Wolf: Wie zufrieden seid ihr mit Fredhopper? Also mit dem Leistungsumfang, der Usability, der Performance und natürlich den Kosten?

Cabelström: Alles in allem sind wir zufrieden mit Fredhopper. Leistungsumfang und Qualität sind definitiv oberstes Level der Suchanbieter und die Bedienung des Backends ist weitgehend selbsterklärend. Dafür gehört das Tool aber auch zu den teureren.

Wolf: Setzt ihr die von Fredhopper angebotenen Zusatzmodule Recommondations oder Personalisierung ein? Welche Erfahrungen habt ihr damit?

Cabelström: Bisher setzen wir diese Module noch nicht ein. Das ist aber auf jeden Fall geplant, denn erst dann spielt Fredhopper seine ganze Stärke aus.

Wolf: Eure Produktdaten kommen aus vielen anderen Shops. Gibt es deshalb Probleme bei der Suche und wenn ja, welche bzw. wie wurden sie gelöst? Versucht ihr die Daten vorab zu normalisieren?

Cabelström: Ja, da kämpfen wir mit den gleichen Problemen wie alle Produktsuchmaschinen. Wir haben daher umfangreiche Prozesse und Algorithmen, um die Daten zu normalisieren und strukturierte Attribute aus den teilweise unstrukturierten Daten zu gewinnen. Für die Suche und Facettierung nutzen wir dann vor allem die strukturierten Informationen.

Wolf: Wie viele Ressourcen setzt ihr für die Produktsuche bzw. für Fredhopper ein? Also in den Betrieb (Synonyme, Bugfixing etc.), Optimierungsmaßnahmen und Weiterentwicklungen?

Cabelström: Initial sind ein paar Manntage in das grundsätzliche Einrichten der Search Passes, der Sortierung und erster Synonyme geflossen. Seitdem hat sich das deutlich reduziert und beschränkt sich auf das Optimieren der Ergebnisse bestimmter hochfrequenter Suchbegriffe bzw. das reaktive Beheben aufgefallener Fehlresultate. Da haben wir den Vorteil, dass wir eine vertikale Suchmaschine sind und das Sortiment auf Möbel und Einrichtungsgegenstände fokussiert ist. Bei einem Universalisten muss da deutlich mehr Pflege investiert werden.

Wolf: Wie zufrieden seid ihr mit den Supportleistungen von Fredhopper?

Cabelström: Ein bisschen sind die Folgen der Übernahme durch SDL und die folgende Expansion vor allem in die USA schon zu spüren, da sich manch ein organisatorischer Prozess etwas verlangsamt hat und sich unflexibler darstellt als vorher. Ansonsten wird den Fredhopper-Kunden eigentlich immer freundlich, kompetent und schnell geholfen, wenn es mal Fragen oder Probleme gibt.

Wolf: Was gelingt Fredhopper nicht so gut bzw. wo siehst du Verbesserungspotenzial bei Fredhopper?

Cabelström: Das Produkt an sich ist schon sehr ausgefeilt. Da gibt es keine offensichtlichen Schwächen. Lediglich bei der Kompositazerlegung wurde noch nicht das Letzte rausgeholt.
Zudem würde ich mir manchmal ein bisschen mehr Proaktivität bezüglich der Beratung wünschen, wie man das Produkt konkret noch besser bei sich einsetzen könnte. Ich denke, dass viele Kunden das Tool nicht umfangreicher nutzen, weil ihnen entweder das Know-How fehlt oder keine Kapazitäten für ein tieferes Einarbeiten in die Möglichkeiten von Fredhopper vorhanden sind. An dieser Stelle könnte sich Fredhopper noch stärker einbringen.

Wolf: Welche Wünsche hast du für die zukünftige Entwicklung bei Fredhopper?

Cabelström: Wenn Fredhopper automatisch immer die besten Treffer für den jeweiligen User in seiner jeweiligen Situation anzeigen würde – das wäre schon toll…

Der Traum eines jeden Search Managers! Bis es so weit ist, richten wir unseren Blick noch auf die Fredhopper-Konkurrenz. Weiter in unserer Serie geht es demnächst mit Arne Vogts Porträt des Suchanbieters Exorbyte.

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